
Das Wall Street Journal wirbt für Bürgerkrieg im Iran
Der erste Versuch ging schief, aber das WSJ wirbt weiter dafür, aufständische Kräfte im Iran mit Waffen zu versorgen, um eine Zerschlagung des Landes in einzelne Teile, eine Balkanisierung, zu erreichen. Das würde den Iran vom geopolitischen Schachbrett nehmen und Russland und China schwächen. Natürlich alles nur wegen Demokratie und Freiheit!
Der Autor „Mr. Kaylan“ schreibt als fester Autor über Kultur und Kunst für die Zeitung. Man fragt sich allerdings, was ein Bürgerkrieg mit Kultur und Kunst zu tun hat, wenn man diesen Meinungsartikel liest.
Die Motivation
Der Autor behauptet, dass niemand davon spreche, dass der eben beendete blutige Putschversuch einen Bürgerkrieg auslösen würde, der das Land in mehrere Einzelteile zerlegen würde. Er meint Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten Diktators, der nach eigenem Bekunden gar keine Beziehungen mehr in den Iran hat, spreche nicht darüber, auch nicht die westlichen Machtzentren. Was „die Mullahs“ derzeit für ihren Machterhalt hätten, sie alleine die Angst vor Sezessionen ethnischer Regionen.
„Ali Khamenei und seine Verbündeten würden sich nichts sehnlicher wünschen, als dass eine feindliche Macht ein solches Szenario entwirft, das sie als Beweis für die wahren Absichten der iranischen Dissidenten und Feinde anführen könnten. Das Regime könnte den Widerstand dann zwischen den persisch-iranischen Nationalisten und den Vertretern anderer ethnischer Gruppen, die die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, spalten. Wie bei vielen ehemaligen Imperien wurden die Grenzen des Irans in Bezug auf größere ethnische Gemeinschaften eher willkürlich gezogen. Um nur die größte Gruppe zu nennen: Schätzungen zufolge machen die turksprachigen Aserbaidschaner 25 % der iranischen Bevölkerung aus, die Kurden etwa 15 %. Das Land, das sich im Wandel befand, wurde im 19. Jahrhundert von den Zaren und den Briten besetzt; die Briten blieben bis nach dem Zweiten Weltkrieg und waren maßgeblich an der Festlegung der ölreichen Südgrenze zum Irak beteiligt. Diese Grenze wurde erst 1975 per Vertrag offiziell bestätigt. Angesichts all dessen, was seither geschehen ist, kann man es den ethnischen Minderheiten, insbesondere den größeren, kaum verdenken, dass sie sich nach einem Austritt sehnen, um sich mit ihren Verwandten jenseits der Grenzen zu vereinen. Das Leben im Iran hat ihnen nicht viel Glück gebracht.“
Seiner Meinung nach sehnten sich also ethnische Minderheiten danach, aus dem Iran auszutreten, und sich mit anderen … ja was denn? Ein neues Land gründen, indem sich die Minderheit in dem anderen Land auch abtrennt? Oder Beitritt zu einem anderen Land, um dort nicht mehr die Minderheit zu stellen, oder vielleicht sogar die Mehrheit zu verstärken?
Mr. Kaylan schreibt weiter, dass aktuell die deutliche Gefahr eines Bürgerkriegs nach einem Regimewechsel sowie der Einmischung von außen bestehe. Die Aserbaidschaner im Iran blickten angeblich mit einem gewissen Neid auf ihre prosperierenden turksprachigen Glaubensbrüder in Aserbaidschan. Herr Khamenei sei teilweise aserbaidschanischer Abstammung, habe aber das Leben der Aserbaidschaner im verarmten und von „Korruption geprägten Iran“ nicht verbessert. Wobei die zerstörerischen Kriege, Wirtschaftssanktionen, Attentate unerwähnt bleiben. Eine Sezession, meint er, sei nicht ausgeschlossen. Sowohl Israel als auch die Türkei hätten eng mit Baku zusammengearbeitet, um den Iran von seinen Abenteuern im Nahen Osten abzulenken und einen stabilen Rivalen zu schaffen, der ethnische Verwandte im Iran anspricht.
Ja es stimmt, während die Terrorarmeen, die nach vielen Jahren blutigen Terrors die Macht in Syrien übernahmen, durch die Türkei unterstützt wurden, stand der Iran auf der Seite der angegriffenen legitimen Regierung des Landes und kämpfte tapfer gegen ISIS, al-Quaida und die vielen Zweige dieser Terrororganisationen. Und der Iran hat bereits die Grenze zu Armenien und Aserbaidschan verstärkt. In der Befürchtung, dass von dort ein ähnlicher Versuch wie seinerzeit in Syrien erfolgen könnte. Dann kommt der Autor zum eigentlichen Ziel des Ganzen.
Es geht um Israel
„Ein verkleinerter Iran würde ein geringeres Risiko für Israel darstellen. Ein größerer Staat aus vereinten Aserbaidschanern könnte die alte Seidenstraße zwischen der Türkei und den zentralasiatischen Turkstaaten wiederbeleben und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan einen Triumph bescheren, während sein Land unter einer oligarchischen Wirtschaft und akuter Inflation (zeitweise über 40 % im letzten Jahr) leidet. Andererseits will Herr Erdoğan nicht, dass der Iran vollständig zerfällt, um den Kurden die Möglichkeit zu geben, sich abzuspalten und sich mit ihren Verwandten jenseits der Grenze in der Türkei zu einem neuen Staat zu vereinen. Ankara soll Teheran Berichten zufolge dabei unterstützt haben, dies zu verhindern. Die türkischen Medien, größtenteils staatlich gelenkt, stehen dem Aufstand überwiegend kritisch gegenüber, während der Außenminister ihn öffentlich als von ausländischen Mächten angeheizt verurteilt hat.“
Mr. Kaylan beschreibt hier schön die eigentlichen Beweggründe für den Kampf gegen den Iran. Nämlich die Verhinderung der Eindämmung der Macht Israels auf dem Weg nach Groß-Israel. Und er beschreibt Erdogans Problem. Unterstützt er Aserbaidschan dabei, dem Iran einen Teil des Landes wegzunehmen, dürfte der Iran keine Hemmungen haben, den Kurden zu helfen, einen Staat an oder in seinen Grenzen zu errichten.
Dann kommt der Autor zu den Russen. Sie wollten weder einen Regimewechsel noch eine Zersplitterung des Irans, stellt er richtigerweise fest. Die beiden Länder bilden einen geografischen Korridor für die westwärts führenden Handelsrouten und Pipelines Zentralasiens. Ein Regimewechsel im Iran, so behauptet er, „könnte eine ganze Region von Russlands Würgegriff entlang der ausgedehnten Südgrenze befreien„. Zudem lieferten die Shahed-Fabriken im Iran Drohnen für die Angriffe des Kremls auf die Ukraine.
Da Peking gleichzeitig Investitionen und Öllieferungen aus Venezuela und dem Iran verlieren würde, wäre mit einer scharfen Reaktion Chinas zu rechnen. Unbestätigten Berichten zufolge steckten bereits chinesische Technologie hinter der Unterbrechung der Starlink-Verbindungen zum Aufstand, enthüllt er. Unterdessen würde die Bevölkerung, die vom Regime angeblich gnadenlos niedergemetzelt werde, von niemandem außerhalb des Irans mit Waffen versorgt werden. Hier übersieht er die beträchtlichen Waffenfunde der Regierung während und nach den Unruhen, und wer hier wen gemetzelt hat. Und Kaylan behauptet, natürlich nur im Interesse „des regionalen und globalen Friedens“ wäre es „möglicherweise die beste Option, die Sezession zu unterstützen und dadurch einen verkleinerten Iran, befreit von einem mörderischen Regime, vollständig von der geopolitischen Bühne zu nehmen„.
Die geopolitischen Unbekannten
Wir dürfen davon ausgehen, das so ungefähr auch die Planungen der USA und Israels aussehen. Die große Frage wird sein, ob Erdogan da mitspielen wird. Er hat sich schon einmal von den USA über den Tisch ziehen lassen, als er den Terroristenkrieg gegen Syrien unterstützte, durch den er zwar jetzt einen Teil Syriens beansprucht (heftig Menschen mit türkischem Hintergrund ansiedelt, türkische Währung gültig ist, Schulen türkisch unterrichten usw.). Aber gleichzeitig hat er sich einen Dorn im Fleisch eingehandelt durch die von Kurden mit Hilfe der USA kontrollierten Zone im Osten Syriens eingehandelt. Wird er noch einmal auf die Verlockungen und Versprechungen eines neuen osmanischen Reiches eingehen?
P.S. Was würde wohl in der EU passieren, wenn in einem Internetartikel für einen Bürgerkrieg und Sezessionsbewegungen mit Waffen geworben würde? Vermutlich nichts, wenn es nur die richtigen trifft? Weil „Hassrede“ immer nur die der anderen ist?
Gab gerade ein Post von James Corbett dazu.
How to Make A Fortune on Regime Change! – https://corbettreport.substack.com/p/how-to-make-a-fortune-on-regime-change